Sind die 60-er, 70-er, 80-er Jahre ein Vorbild?

Volljährigkeit. Hippies. Das sind wir. Schaut hin.

Irgendwie fallen mir in den letzten Tagen und Wochen einige Sprüche aus meiner Vergangenheit ein. Dazu gehört: Mein Bauch gehört mir. Bei uns kommt der Strom aus der Steckdose. Stell dir vor, es gibt Krieg und keiner geht hin.

Ich bin 1960 geboren worden, das heißt ein durch und durch im Aufschwung geborenes Leben. Meine Eltern waren im zweiten Weltkrieg Kinder. Meine Großeltern erlebten ihn als Erwachsene. Doch, auch wenn 1960 gerade 60 Jahre her sind, so ist diese Zeit eine der entwicklungsträchtigsten Jahre unseres menschlichen Daseins. Wenn zu Beginn des 19 Jhd. mit der Industrialisierung Umweltproblematiken entstanden, so sind diese heute zu einem so großen Berg angewachsen, so dass viele nur noch vor den Berg schauen, aber weder hinein noch von oben darauf. Dadurch scheint er nicht zu existieren und wenn, dann ist es eben ein Berg wie jeder andere auch. Bemerkenswert ist an dieser Stelle jedoch, dass dieser Berg eben nicht ein Berg ist wie jeder andere.

Der normale Berg ist in einem Kreislauf eingebunden. Wetter, Jahreszeiten, Tier-und Pflanzenwelt, menschliche Erholungsstätte – alles kommt und geht, greift ineinander, nichts bleibt übrig, nichts verschwindet – alles findet seine Anwendung. Heute nutzt die Permakultur ein solches Ineinandergreifen.

Als die Menschen für „Atomkraft. Nein. Danke.“, als die Frauen für ihre Rechte „Mein Bauch gehört mir“ auf die Straßen gingen, lebten sie eine Form der Demokratie. Sie traten ein für eine Meinung, für eine Ansicht. Möge sie richtig oder falsch sein, sei einmal einfach dahingestellt. Es geht schlichtweg um die Möglichkeit, seine Meinung zu vertreten. Für seine Ansicht eintreten, eine Schritt tun.

Was ist eine Demokratie, wenn keiner hingeht? Was ist eine Demonstration, was ja nichts Anderes bedeutet als ein Zeigen, ein Hinweisen, ein Deutlich-Machen, ein Anzeigen, wenn keiner sich berufen fühlt, mit hinzuweisen auf? Ist unsere Welt so klar strukturiert, dass ein Hinweisen auf eventuell nicht klar definierte Grundlagen und Annahmen nur fehlerhaft scheint?

Am 18. November 2021 war das Fest der Philosophie. Jedes Jahr im November findet ein solcher Tag zu Erinnerung an die lebendige Philosophie statt. Im kleinen Rahmen fand bei mir eine Gruppe von Menschen zusammen, die sich die Frage stellte: wie das kleine Wort „weil“ unsere Gegenwart bildet?

Lange Nacht der Philosophie - Dornbirn - Aktuelles zu ...
2019 war die erste lange Nacht der Philosophie in Coburg. Wann kommt sie wieder? Kultur ist Leben, ist Vielfalt, ist Kreativität. Wollen wir sie sterben lassen?

Dabei kam es an einer Stelle zum Ende in der großen Plenumsrunde zu einem bemerkenswerten Diskussionspunkt. Es ging um Hunger. Die Frau kommt verspätet von der Arbeit nach Hause. Es ist kein Essen zubereitet. Sie fragt: Hat denn hier keiner Hunger?

In diesem Moment passiert etwas Unglaubliches. Ohne dass wir es bemerken, schleicht sich eine Annahme in unser Denken. Wir übertragen eine Annahme, die unsere eigene ist auf alle anderen. Es fällt nicht auf. Es geschieht unbeabsichtigt. Es taucht einfach auf. Doch es hat Folgen! Mit dem Ansetzen einer Annahme, in der Mathematik heißt dies eine Voraussetzung setzen, legen wir fest, von welchem Punkt wir ausgehen wollen. Wir machen eine Verallgemeinerung. Ob diese wirklich für alle gültig ist, setzen wir fest. Einen Beweis dafür gibt es nicht. Dies scheint sehr vernünftig zu sein, denn irgendwo müssen wir ja anfangen.

Verstehe den Beweis zum Distributivgesetz nicht. Zeigen ...
Es seien = Festlegung, Annahme, Voraussetzung. Hier wird das Distributivgesetz/Verteilungsgesetz bewiesen.

Wichtig an dieser Stelle ist jedoch, dass wir darum wissen, dass wir eine Annahme, eine Voraussetzung setzen. Wenn wir dies nicht tun, läuft ein Geschehen ab, dass uns ohne unser Wissen ganz schnell in eine Bewertung führt. Mit einer Bewertung wächst wiederum ein Umstand, den wir in der Regel nicht wollen. Wir sondern aus. Jede Bewertung, die wir fällen, führt zu einer Aussonderung.

Dieser Mensch ist behindert, dieser ist krank, dieser ist arm, dieser ist reich, dieser ist arbeitslos, dieser ist arbeitsscheu, dieser ist ….Jedes Mal greifen wir zu einer Annahme und somit zu einer Beurteilung eines Menschen.

In Wirklichkeit wissen wir jedoch nicht, was dieser Mensch ist. Wir wissen auch nicht, was wäre, wenn wir eine andere Annahme setzen würden. Wir wissen erst dann etwas, wenn wir es ausprobieren, wenn wir es tun.

Das Besondere an Annahmen ist, dass wir sie jederzeit verändern können. Dies geht natürlich nur, wenn uns klar ist, dass wir nach Annahmen und Voraussetzungen handeln.

Im individuellen Bereich können wir unseren Annahmen und Voraussetzungen sowohl bei einer „guten“ Psychotherapie als auch in meditativer Praxis auf die Spur kommen.

Wissenschaftler gehen oftmals davon aus, dass die Annahme, die sie jetzt tätigen ohne Alternativen sind. Wissenschaftler wie Heisenberg nahmen die Alternativen mit hinein, ebenso ein Philosoph wie Edmund Husserl, der in seinem Buch über die Krisis der europäischen Wissenschaften genau dies zum Aufbau seiner Phänomenologie nimmt. Er stellt die berechtigte Frage an jede Wissenschaft, wie ein Phänomen überhaupt in unser Gesichtsfeld kommt?

artikelbild-0
https://itp-buw.de/

Aufzustehen, Einzutreten, Aufmerksames Verfolgen, Genaues Lesen, Hinterfragen, „Geistiges Abmessen = Meditieren“ – all dies sind Möglichkeiten, unbemerkt gesetzten Annahmen auf den Grund zu gehen.

Derzeit finden so massive Annahmen statt, dass ich oftmals schwindelig davorstehe und mich frage, ob Politiker als Stellvertreter für uns Bürger überhaupt noch wissen, was sie tun.

Wenn ein Politiker die Äußerung macht, dass es doch so sei, dass bis Ende des Jahres alle Bürger geimpft, genesen oder gestorben seien, so ist dies eine so menschenverachtende, menschenunwürdige und respektlose Annahme, dass es mir die Sprache verschlägt.

Merkwürdig ist, dass bei uns das Setzen von Annahmen und Voraussetzungen so in den menschlichen Denkweisen angekommen ist, dass scheinbar niemandem mehr auffällt, was hier gerade geschieht. Völlig außer Acht steht hier der einfache gesunde Mensch. Gestern Abend auf dem Marktplatz in Coburg bei der Demonstration „Schweigen für die Menschlichkeit“ sagte die Mutter einer Tochter mit Trisomie 21, dass ihre Tochter keinerlei Anschluss mehr hätte, weil ja Gruppe ohne ….verboten sind. Sie sagte den wunderbaren Satz: Meine Tochter ist doch einfach nur gesund.

Selbst in den schlimmsten Pestzeiten, Cholerazeiten und anderen Erkrankungen der Menschheit gab es die Gesunden. Es gibt sie immer. Es ist ja nicht nur so, dass die meisten Erkrankten gesunden, sondern es ist ja auch so, dass gerade die Erkrankungen der Menschheit für Ihre Anpassungen an das Leben auf diesen Planeten von Nöten war. Vielleicht ist dies gerade jetzt so?

In einer Welt werden Menschen einer gentechnischen Maßnahme unterzogen, statt zu schauen, wo und wie wir unser Tun auf dieser Welt zum Wohle aller Menschen und der Menschlichkeit einsetzen können. Stattdessen: Urwälder gerodet. Seltene Erden ausgebeutet. Kinderarbeit. Kinderprostitution. Kindersterblichkeit (Asien, Indien, Südamerika). Frauen abgeschnitten von Bildung (Afghanistan, Belarus). Digitales Vorantreiben ohne den Energiebedarf zu bedenken. Rüstungsaufbau statt Bildungs-und Forschungsaufbau.

Gerade jetzt wäre die Zeit gekommen, dass sich alle Staaten der Welt verbinden (Weltbürgertum), dass jede Kriegsmaschinerie abgeschafft und jeder nur erdenkliche Cent in die Forschung und Bildung gesteckt wird, um den Menschen eine menschliche Welt zu schaffen und unseren Kindern zu hinterlassen.

Wie ist angesichts der derzeitigen Situation zu verstehen, dass überhaupt Dividenden ausgezahlt werden und sogar mit einer Steigerung gerechnet wird? Welche Unternehmen haben sich hier an Kurz-Arbeiter-Geld und Co bereichert und ihre Geschäftsgelder arbeiten lassen?

„In den letzten Jahren waren die Dividendenzahlungen der DAX Unternehmen konstant hoch. Für die DAX Dividenden 2022 wird erwartet, dass ca. 37 Milliarden Euro der Gewinne aus dem Geschäftsjahr 2021 ausgeschüttet werden. Im Vergleich zum Vorjahr entspricht dies einem Anstieg von ca. 14 %.“ https://www.dividenden-kalender.de/

Wie viele Kinder auf der Welt (siehe auch „Biene Maja“) wurde durch das jetzige politische Gebaren, das die Verhältnismäßigkeit des tatsächlichen Geschehens um ein Vielfaches steigerte, geschädigt?

 „Die Pandemie ist weit mehr als eine Gesundheitskrise. Viele Familien weltweit haben durch ihre wirtschaftlichen und sozialen Folgen von einem auf den anderen Tag ihre Existenzgrundlage verloren.“ Christian Schneider, Geschäftsführer von UNICEF Deutschland

Ist es verantwortlich, dass in einem so reichen Land wie wir es haben, die Armut beständig steigt? Ist es notwendig, dass die Schere zwischen Armut und Reichtum weiter ansteigt?

In Zeiten wie diese, wo die Distanz zwischen den Menschen propagiert wird, stellt sich die Frage nach der Menschlichkeit Minute für Minute neu.

Menschlichkeit für einen Moment | Kirche im hr
Menschlich ist altern und krank werden, sein, gesunden und auch sterben. Mein Hausarzt sagte einmal zu mir: Wir können auch gesund sterben! Ist das heute noch erlaubt?

Wenn wir jetzt sagen würden: Stell dir vor, es gäbe Corona und keiner geht hin, was würde dann passieren? Könnten wir dann unserer Menschheit nicht vielleicht genau die Immunität schenken, die sie jetzt für die neue Zukunft braucht? Könnten wir dann vielleicht wieder unsere Menschlichkeit im gegenseitigen Helfen und Füreinander-Dasein erfahren – das, was wir offensichtlich in den letzten Jahrzehnten verlernt haben? Könnten wir dann nicht erforschen, wie die Menschen heute mit einer neuen Erkrankungswelle umgehen? Warum stellen wir uns so massiv dagegen, neue Erfahrungen zuzulassen im Angesicht einer Welt, deren Energien und Kräfte wir einfach ungehindert weiter ausbeuten im Sinne von gewinnträchtigem Geldwirtschaften?

Wäre dies nicht jetzt eine Möglichkeit wieder zu erkennen, dass wir alle im gleichen Boot sitzen? Ein Millionär braucht den Installateur wie der Arme. Ein Millionär braucht den LKW-Fahrer wie der Arme. Keine Milch ohne ihn. Kein Stein, kein Rohr ohne ihn. Ein Millionär braucht den Bäcker, die Putzfrau im Supermarkt genauso wie der Arme. Mit welch einer Berechtigung sollte sich der Millionär nur bereichern, statt wie der Arme es durch seine häufig unangemessen bezahlte Arbeitskraft (1-Euro-Jobber, Mindestlohn) tagtäglich tut, arbeiten für einen angemessenen Lohn? Sie können auf Dividenden verzichten und der Allgemeinheit spenden. Sie können die Kriegsmaschinerie, die tötet, ersetzen durch Maschinen, die dem Menschen beim Leben helfen. Sie haben die Mittel dies für die Menschheit und ein gesundes Weltbürgertum zu tun. Ihr Anteil ist entstanden durch jeden Menschen, der arbeitet. Jeder Cent, der weltweit entsteht, entsteht durch Arbeit. Gleichgewicht bedeutet die Waage halten. Wie ist es möglich, dass das Gleichgewicht so entgleist, dass sogar ein Kleinstlebewesen (auch wenn es so nicht definiert ist) , wie ein Virus, deutlich machen muss, schaut jetzt endlich einmal her?

Buchcover: Die Unteilbarkeit der Erde, von Stephan Mögle-Stadel
Eine Welt. Eine Menschheit. Ein Organismus. Jedes Wesen bildet mit Schaffenskraft. Sowohl gut wie schlecht. Wie wollen wir leben?

Es wurde viel geredet von Meditation = Geistiges Abmessen in Unternehmen. Aber, wenn es soweit ist, machen sie einen Rückzieher. Gewinnbestrebungen und Aktienkurse – Zahlen bestimmen das Tun, so wie jetzt Zahlen eine gegenwärtige Welt erschaffen, die lediglich Annahmen und Hypothesen sind.

Intuitive Gewissheit ist erlernbar. Weisheit ist erlernbar. Erfahrendes offenes Wissen schaffen ist erlernbar. Nur eine einzige Bedingung ist von Nöten. Die Absicht für die Menschheit Menschliches zu wollen. Die Mittel und Wege mögen seltsam erscheinen und auf den ersten Blick unlogisch. Doch Logik heißt Sammeln. Sammeln von Erfahrungen. Erfahrungen entstehen durch eine Auseinandersetzung mit den eigenen und den fremden Annahmen. Dann öffnet sich eine Welt, die größer ist. Sie lässt Alternativen zu, Kreativität wachsen und Räume entstehen für ein menschliches würdiges Leben, das sich fortsetzt in ein würdiges Leben aller Wesen dieses Weltenraums.

Seien sie stark für die Menschlichkeit. Es lohnt sich, denn sie ist die Einzige, die uns trägt.

Dafür lohnt es sich einzustehen. Gewählte Abgeordnete der europäischen Union taten dies. Sie weisen auf Missstände hin, die anwachsen und anwachsen und kein Ende zu kennen scheinen. Doch, ein Ende gibt es immer. Doch, wie dieses aussieht, entscheidet jeder Mensch selbst. Er ist Mitträger der Gemeinschaft Mensch. Wie unsere Welt aussieht heute, morgen, übermorgen, hängt von unserem Tun ab. Ist der Mensch unser Freund? Ist der Mensch unser Nachbar? Ist der Mensch unser Nächster? Ist der Mensch der Mensch, der mit uns Mensch ist? Ist der Mensch, der, der mir ähnlich ist? Ist der Mensch, der mit mir das Leben und Sterben teilt? Ist der Mensch emotional, geistig, körperlich mit mir übereinstimmend?

Wir entscheiden über die Welt von heute und morgen. Welche wir wollen und welche wir erschaffen, liegt wirklich in unseren Händen.

Für die Menschlichkeit einer gesunden geistigen und körperlichen Menschheit. Es liegt bei uns, bei jedem von uns.

Was für eine Welt wollen wir? Über die große und die kleine Welt.

In der Regel denken wir bei dem Wort „Welt“ an diese große alles umfassende Welt. Die Welt, die unsere Erde bildet und den gesamten Kosmos mit all seinen Sonnensystemen und Planeten. Die Welt als das Universum. Dazu gehört der Mensch, die Tiere, die Pflanzen, die Atome und der Stuhl, auf dem wir sitzen.

Wann sehen wir welches Universum?

Doch machen wir das Wort „Welt“ einmal so klein wie wir es können. Da ist die Welt unserer Familie, die Welt unserer Arbeit, die Welt der Nachbarschaft, die Welt, in der wir einkaufen gehen und leben. Jetzt machen wir die Welt noch kleiner. Die Welt unserer Familie besteht aus Menschen, Dingen und lebendigem Tun. Es werden Verhältnisse geschaffen. Die Beziehung zwischen Mann und Frau, zwischen Mutter und Vater, zwischen Eltern und Kindern. Das heißt, selbst, wenn wir die Welt ganz klein machen, ist sie schon sehr reich an Geschehnissen und sehr reich an den unterschiedlichsten Beziehungen. Wenn wir dies auf die große Welt übertragen, können wir uns vorstellen wie komplex und vielfältig diese Welt ist.

gebrauchtes Buch – Chorlton, Windsor - – Kunstwerk Körper - Reise ins Innere des Menschen -
Dieses Buch kann ich nur empfehlen, um die Ehrfurcht vor der Größe unseres Körpers und Geistes in Anätzen zu erfassen. Ein unglaubliches Buch. Danke.

Doch wir gehen noch einen Schritt weiter. Wir machen die Welt noch kleiner und offensichtlich geht der Welt, auch wenn wir sie kleiner machen, nichts verloren, sondern im Gegenteil, sie öffnet uns die Augen, wir sehen plötzlich wie reich, vielfältig und komplex sie ist. Durch das Kleiner-machen der Welt begreifen wir die Zusammenhänge in dieser Welt irgendwie eindeutiger. Wir machen die Welt also noch kleiner. Wir nehmen also nur einen einzigen Menschen in dieser Familie heraus. Unser Selbst.

Unser Selbst ist eine Welt. Es ist ein Universum. Wir haben einen Körper, der uns tagtäglich daran erinnert, dass wir essen und trinken, dass wir schlafen und dass wir uns bewegen müssen. Müssen, nicht im Sinne eines Zwanges, sondern der Körper signalisiert es uns. Wir bekommen ein Hungergefühl, verspüren eine Müdigkeit. Manchmal sind diese Gefühle nicht so ganz richtig und wir essen oder trinken etwas, das uns nicht bekommt. Manchmal ignorieren wir das Gefühl der Müdigkeit und arbeiten oder feiern weiter bis in die Morgenstunden. Manchmal nehmen wir sogar eine Pille ein, damit wir es bis zum Schluss aushalten, bis das Projekt abgeschlossen ist oder die Feier beendet ist. Was wir hier im Kleinen an einer Person erkennen, geschieht offensichtlich in der großen Welt auch. Manchmal isst die Welt zu viel der Rohstoffe und bemerkt nicht, dass es ihr nicht guttut. Manchmal schläft die Welt ihre Müdigkeit nicht aus, sondern puscht sich mit elektronischen Welten, die ja jederzeit unbegrenzt alles möglich zu machen scheinen. Auch diese Aufputschpille bekommt der großen Welt nicht gut, weil sie sich um Energiefragen sorgt.

Das heißt, der Rückschritt auf unsere kleine Welt – dieser einzelne Mensch als Welt zeigt uns deutlich wie die große Welt funktioniert. Gehen wir also weiter in dieser kleinen Welt des einzelnen Menschen. Er hat tatsächlich so etwas wie Geist, denn diese kleine Welt kann denken, kann etwas ins Bewusstsein heben. Diese kleine Welt kann auch empfinden. Der Neurophysiologe Antonio Damasio stellt ganz klar fest: „Im Falle der Gefühle sind die Objekte und Ereignisse, die den Vorgang auslösen, innerhalb des Körpers und nicht außerhalb seiner Grenzen.“ (Damasio 2003, S. 110) „Wie faszinierend, dass Gefühle vom Zustand des Lebens in den Tiefen unseres Organismus zeugen!“ (Damasio 2003, S. 165)

Diese kleine Welt, das Sein eines Lebens, ein menschliches Sein, ein menschliches Leben, ein menschlicher Körper und Geist ist also wahrhaftig eine Welt. Sie verfügt über Tiefen, in denen etwas entsteht. Nicht nur Gefühle und Emotionen, sondern eben auch Gedanken.

Damasio: „Sobald wir uns eine Idee von einem bestimmten Objekt machen, [können] [wir, E.W.] eine Idee von der Idee machen und eine Idee von der Idee von der Idee und so fort. All diese Ideenbildung findet auf der Geist-Seite der Substanz statt, die aus heutiger Sicht weitgehend mit dem Gehirn-Geist-Bereich des Organismus gleichgesetzt werden kann.“ (Damasio 2003, S. 250)

Wir wissen aus der Physik, dass unser Körper aus Molekülen und Atomen besteht. Dies macht sich die Biologie und die Medizin/Molekularmedizin zu nutzen. Sie entwickeln z.B. Methoden, diese Moleküle/Atome zu verändern und sie für Behandlungszwecke/Gen-Manipulation/ zu nutzen. (https://www.welt.de/gesundheit/article7175834/Nanopartikel-Maechtige-Waffen-gegen-den-Krebs.html)

Diese kleine Welt als Person als Mensch verfügt somit über alles, was es in der großen Welt auch zu geben scheint. Sie hat riesige Welten in Form von atomaren Welten. Sie hat riesige Mengen an Vorgängen, die in den Tiefen des menschlichen Körper-Geistes zu Empfindungen, Gefühlen und Gedanken führen.

Diese Gedanken bestimmen wiederum die Welt direkt vor mir. Baue ich das Auto so oder lieber so? Kaufe ich dies oder lieber das ein? All diese dann im Außen sichtbaren Entscheidungen der großen Welt entstehen also irgendwie vorher schon in dieser kleinen Welt.

Beide Welten verfügen so über eine fast nicht mehr bemerkbare Verknotung, (im Buddhismus nennt man das- wechselseitige Abhängigkeit) dass wir Menschen immer nur die eine Welt sehen, die so groß und mächtig vor uns steht. Die kleine Welt, die jedoch eigentlich der Auslöser für diese Welt ist, übersehen wir, lernen wir nicht beobachten. Biologen beobachten nur einen kleinen Ausschnitt. Der Mediziner nimmt nur das kranke Organ. Der Virologe nur das kleine Teil, das krank oder gesund macht. (Ja, Viren können auch helfen, Krankheiten zu bekämpfen. https://www.sueddeutsche.de/gesundheit/phagen-bakterien-forschung-1.4558487?reduced=true)

Der Ökonom zeigt Wirtschaftswege unter finanzieller Verlust-und Gewinnserie auf.  Der Politiker sieht sich als Redner und Entscheider einer Gesellschaft. Keiner betrachtet diese Welt als Ganzes.

Das ist so wahr. Wir halten nicht nur sprichwörtlich die Welt in den Händen, sondern unsere Hände sind die Gestalter dieser Welt. Die Hände sind Körper und Geist – eine kleine Welt, die die große Welt bedeutet.

Die kleine Welt als Mensch und Person kann gar nicht anders. Jeder Mensch sieht seine eigene kleine Welt als sich selbst sofort, wenn ein Teil ausfällt, wenn ein Teil plötzlich nicht mehr funktioniert. Jeder Mensch ist darauf angewiesen, dass sein Körper und sein Geist vollständig in ihrer Funktion sind, sonst leidet der Mensch Schmerzen, erkrankt oder gerät in eine psychische Krise.

Übertragen wir dies auf die große Welt. Wenn die große Welt ihre Funktionen nicht vollständig erkennt, bekommt sie Schmerzen und wird krank. Genau dies scheint jetzt der Fall mehr als deutlich zu sein. Manche Erkrankungen schwären in der kleinen Welt stumm vor sich bis sie explodieren. Ist nicht gerade so etwas in der großen Welt passiert? Legt ein Virus, ein so kleines Wesen, dass die Größe eines Nano-partikels hat, nicht genau den Finger in die Wunden einer zivilisierten Gesellschaft?

Genau dort, wo Menschen wie Tiere zusammenleben, infizieren sich mehr Menschen. Genau dort, wo Tiere in Massen hingerichtet werden, infizieren sich Tiere und Menschen. Genau dort, wo Flüchtlinge zusammenkommen in Notunterkünften oder als Obdachlose auf der Straße infizieren sich viele Menschen. Warum schauen wir nicht auf die Wunde, sondern immer nur auf den Finger? Ist nicht die Wunde, die heil werden muss, um den gesamten Organismus, die ganze Welt gesunden zu lassen?

Die kleine Welt weiß darum. Sie weiß, dass sie gesundet, wenn sie dem Organismus das zukommen lässt, was er braucht. Zum Beispiel gesunden Schlaf, eine geregelte Arbeitszeit, ein Spaziergang in der frischen Luft, ein Besuch bei Freunden oder bei der Familie, ein Essen und Trinken in Maßen. Ein berühmtes Beispiel ist Immanuel Kant, der große deutsche Philosoph. Er wollte unbedingt seine wichtigen Bücher schreiben. Was tat er? Er führte in seinem fortgeschrittenen Alter einen genau strukturierten Tagesablauf ein und es gelang ihm, seine Bücher zu schreiben. In der alltäglichen Frau erzählt die junge Frau mir von dem Abgang des Embryos. Die Mediziner hatten schon den Termin für die Ausschabung. Die junge Frau geht nach Hause, beginnt nachzufühlen, stellt fest: „einen Augenblick mal“. Sie vertraut sich und der Abort gelingt körperlich-geistig ganz von allein. Es ist keine Operation mehr notwendig. Sie sagt: Es braucht doch einfach seine Zeit.

Was tut die große Welt? Sie richtet sich nicht nach den Wunden, sondern sie will die Finger bezwingen, die die Wunden reißen. Doch die kleine Welt als Mensch weiß, dass wir die Finger nicht verhindern können. Das Auto fährt gegen den Baum, warum und weshalb auch immer und plötzlich ist der geliebte Mensch nicht mehr da. Das Virus ist da. Die Krebszelle hat sich im Bauch festgesetzt und vermehrt sich. Der geliebte Mensch oder ich selbst muss über das Sterben und den Tod nachdenken. Die Versicherung bezahlt kein Geld, obwohl die Brandursache klar ist. Der einzelne Mensch weiß, dass er die Finger nicht aufhalten kann. Sie treffen ihn, ob er das will oder nicht.

Aber, er weiß, dass er die Wunden, die daraus entstehen, gesunden lassen kann. Das Leben läuft ohne den Geliebten weiter. Die Versicherung zahlt nach Rechtsstreit. Die kleine Welt tut, was zu tun ist. Sie packt die Wunde an und hadert nicht mit dem Finger. Die große Welt derzeit scheint nur noch auf die Finger zu gucken und vergisst die Wunden total.

Aber die Wunde ist das, was zu Gesunden ist. Die Wunde, die die Vernichtung von Rohstoffen in der Welt bedeutet. Was tun wir, um die Rohstoffe dort zu lassen, wo sie sind? Die Wunde der Massentierhaltung und die Vernichtung von Urwäldern. Was tun wir, um dies zu verändern? Die Wunde der Kriege, an der Waffenindustrien verdienen und Menschen in die Flucht bringen. Was tun wir, um dies zu wandeln? Die Wunde von diktatorischen Ansätzen, die die kleine Welt als einzelne Menschheit unterdrücken und in eine Sichtbarkeit zehren, die auf Daten beruht. Was tun wir für eine demokratische weltbürgerliche Gesellschaft? Die Wunde von Billigarbeitern und modernem Sklaventum in Form von Zeitarbeitsfirmen, wo es doch um Menschen geht, die so sind wie wir?

Greenpeace kritisiert Anteil von Soja- und Palmöl in ...
Sojafelder in den USA, Mono-Wirtschaft – vegane Ernährung?

Die kleine Welt als Mensch weiß um die Gesundung der eigenen Wunden. Der Körper, wenn wir ihn lassen, übernimmt die Gesundung sogar ganz allein. In der kleinen Welt nennen wir dies Selbstheilungskräfte. (https://www.tcmklinik.de/therapien.html) In der großen Welt nennen wir es Permakultur. (www.perma-kultur-partner.de)

Wenn wir die kleine Welt als Basis jeder Welt nehmen, lernen wir daher nicht nur die kleine Welt von innen und außen, Körper und Geist in all seinem universellen Reichtum begreifen, sondern wir begreifen die große Welt auch.

Daher ist das Üben der Meditation des Zazen/ die Kontemplation so wertvoll. Wir lernen Körper und Geist, wir lernen diese kleine Welt zu beobachten und sie gesunden zu lassen. Wir greifen nicht ein, sondern lassen es geschehen. Wir schaffen in der kleinen Welt keine Gesetze, die ihr die Luft zum Atmen nimmt. Setzten wir in der kleinen Welt eine Maske auf, leider tun dies viele, so könnten wir nicht sehen, was sich in der kleinen Welt tut. Wir würden ihr die Lebensbedingung nehmen, denn sie braucht die Luft zum Atmen. Sie braucht das Sehen, um zu erkennen und zu erfahren. Die kleine Welt als einzelner Mensch als Körper-Geist erschafft keine Gesetze, die ihr verbieten, Körper und Geist zusammen anzugreifen und zu bearbeiten, um zu gesunden.

Körper und Geist in das Gleichmaß bringen. Gesundheit ist Gleichmaß. Im Kleinen wie im Großen. Jedes Ungleichgewicht schadet dem gesunden ganzen Raum.

Eine Reduzierung eines Weltproblems auf eine nationale Größe erschafft keine Lösung für eine Welt-Zivilisation, sondern erhöht die Anzahl der Probleme der Welt über die Dimension. Ein weltliches Problem kann nur gesunden, wenn der ganze Körper und der ganze Geist dieser Welt, egal ob in der kleinen oder in der großen Welt gemeinsam daran schaffen, d.h. Wo ist Frieden? Wo ist Hass und Blind-Sein genau hier in dieser kleinen Welt? Erforsche ich dies, weiß ich wie es in der großen Welt funktioniert.

Vereinzelung, so wie Distanz schafft keine Lösungen, sondern untermauert sie, festigt sie. Wenn jeder einzelne Mensch auf dieser Welt begreift, versteht, erkennt, erfährt, dass seine Gesundung die Gesundung der großen Welt ist, dann braucht es keine Masken, keine Distanz, sondern dann braucht es Angesicht zu Angesicht und Nähe.

Wenn die einzelnen kleinen Welten zu einer Welt geworden sind, wie Körper und Geist gemeinsam in einem Menschen, dann steht eine Welt auf, die von „compassion“ getragen ist. In einer solchen Welt gibt es keinen Ausschluss, weil bereits alles dazu gehört. In einer solchen Welt gibt es das Bemühen ein Gleichgewicht zu halten.

In einer solchen Welt greift nicht die Angst, sondern in einer solchen Welt greift das Mitgefühl, das Für-ein-ander-da-sein. Da ist nicht Nation, sondern Universum. Da ist nicht Ich-allein, sondern Wir-zusammen. Da ist nicht Bestrafung, sondern Freiheit. Da ist nicht Eingesperrt-sein, sondern Freiraum. Für eine solche Welt wie die kleine Welt, die der großen Welt zeigen kann, was Gesund-sein heißt, werbe ich, weil ich diese kleine Welt mit ihrem unendlichen Reichtum so liebe.

Europäische Werte - TeamFreiheit.info - Humanistischer ...
Die Basis die kleine Welt – ein Mensch – sein menschliches Denken. Ich ergänze – das ganze menschliche Sein.

Literaturverzeichnis

Damasio, Antonio R. (2003): Der Spinoza-Effekt. Wie Gefühle unser Leben bestimmen. München: List.