Freitag, den 24. April 2020 „Verlust und Tod“

Die Buntheit des Todes und Sterbens.

Vor ein paar Jahren entstand folgendes Gedicht:

Anfang und Ende (ellenwilmes 05.06.2010) 
Die Blätter sind geschlüpft,die Schmetterlinge und Falter wandern durch den Himmel, der Wind streicht warm über die freigelegte Haut.
Anfang und Ende zugleich - immerfort und immer neu - Anfang und Ende zugleich. 
Entstehensprozess ist Vergehensprozess! 
Leben ist Sterben! Lebendig sein ist ein Moment, ein Hauch. 
Im Vergehen ein Aufglühen, ein sich zum Himmel strecken, ein Aufwärtsrichten in dem großen Dauerabschiedsprozess.
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Ute S., Fluss des Lebens

Ja, das Leben ist ein Dauerabschiedsprozess. Die meisten Menschen achten nicht darauf. Doch jetzt sind wir aufmerksam gemacht worden durch ein Virus, dass es die Möglichkeit gibt, zu sterben. Ja, und wer will das schon? Wer will Menschen, die er liebt, verlieren? Wer will Menschen, die Freund sind, zu Grabe tragen? Doch, was tun wir hier? Im großen Meer des Lebens ist der Tod unser Begleiter. Stürben nicht täglich tausend von Zellen in uns, gäbe es keine Erneuerung.

Tatsächlich sterben wie science schreibt täglich zwischen 50.000.000.000 und 70.000.000.000 (Milliarden) Zellen in unserem Körper… (https://www.science.lu/de/die-zellpopulation/wie-viele-zellen-sterben-jeden-tag-deinem-koerper).

Tatsächlich sterben jeden Tag in Deutschland ca. 2616 Menschen. Das sind im Jahr fast 1 Millionen Menschen. (Quelle: https://de.statista.com/statistik/daten/studie/156902/umfrage/sterbefaelle-in-deutschland/)

Das bedeutet, wenn wir bisher weltweit 181 938 tote Menschen (https://covid19.who.int/) haben, so ist dies im Vergleich sehr sehr gering. Warum lassen wir uns also Angst machen?  Warum also lassen wir uns in Maßnahmen drängen, die unsere Gesundheit schwächt, statt stärkt?  Siehe meine Aufzeichnung hier im Blog „Fremdheit“ und die Definition von Gesundheit der WHO.

Keiner bedenkt, dass es weltweit 2 Todesfälle pro Sekunde gibt. (https://www.news.de/panorama/855429040/pro-sekunde-ereignisse-auf-der-welt/1/)

Das macht in einer Stunde 7200 Menschen. Das sind an einem Tag 172 800 Menschen. Und jetzt schaut hin. Wir befinden uns also fast in einer durchschnittlichen Sterberate mit dieser Viruserkrankung. Wir haben jetzt in einer Zeit von zwei-drei Monaten gerade einmal die Sterberate erreicht, die „normalerweise“ täglich stattfindet weltweit. Wer oder was kann beweisen, dass es anders wäre, wenn wir die Isolation nicht hätten?

Bitte, warum lassen wir Menschen uns isolieren und mit Sondersendungen mit angstmachenden Szenarien unseres Verstandes berauben?

Auf unserer Welt stirbt alle 3 Sekunden ein Kleinkind in Afrika, alle 4 Sekunden ein Mensch an Hunger, alle 8 Sekunden ein Kind wegen verunreinigtem Wasser, alle 8 Sekunden nimmt sich ein Bauer in Indien das Leben, alle 10 Sekunden infiziert sich ein Jugendlicher mit dem HI-Virus, alle 10 Sekunden gibt es ein neues Tuberkuloseopfer. (https://www.news.de/panorama/855429040/pro-sekunde-ereignisse-auf-der-welt/1/)

Ja, das Sterben ist unser täglicher, ja, sekündlicher Begleiter. Ja, wir trauern, wenn wir einen Menschen verlieren. Und ich kann versichern, ich weiß, was trauern bedeutet. Mein Leben war davon geprägt, Menschen zu verlieren, die mir nahe waren. Ich weiß jedoch auch, dass wir den Tod nicht verhindern können. Ich selbst habe mehrere Male in meinem Leben auf der Kippe zum Tod gestanden. Doch meine Uhr war offensichtlich noch nicht abgelaufen. Niemand verhindert unseren Tod. Niemand hindert uns am Leben. Sterben kann schlimm sein. Sterben kann leicht sein. Leben kann schlimm sein. Leben kann leicht sein. Die Entscheidung liegt immer bei uns selbst. Hermann Hesse sagt so schön: „Man hat nur Angst, wenn man mit sich selber nicht einig ist.“

Ich bin Zen-Buddhistin und Zen-Lehrerin. Ich praktiziere die Meditation Zazen. Was lernen wir da eigentlich? Ja, das ist das Bemerkenswerte. Wir lernen tatsächlich sterben. Wie das geht? Wir schauen unserem Atem zu. Das Einatmen ist gerade passiert und schon vorbei – gestorben. Das Ausatmen ist gerade passiert und schon vorbei – gestorben. Atemzug für Atemzug schauen wir zu, wie wir sterben. Und noch etwas Anderes stirbt mit. Wir verabschieden uns von Vorstellungen, Meinungen, Ansichten, die wir für unseren Maßstab halten. Dies ist der Teil der Meditation, der uns herausfordert, uns uns selbst zu stellen. Ja, das ist der oft schmerzhafte Prozess dieses Übens des Sterbens, denn ein jeder wehrt sich auf seine Weise gegen das Sterben von Vorstellungen.

Ja, ein Gesetz oder ein Maßstab ist in einem bestimmten Augenblick Ok, aber er ist nicht immer die Lösung, weil tatsächlich die Welt sich dreht. Je schneller wir ihn loslassen, umso eher sind wir Neuem aufgeschlossen, bilden einen neuen Maßstab usw. Halten wir jedoch an einem Maßstab fest, wie „das war schon immer so“ oder „das machen wir schon 20 Jahre so“ oder „Impfen ist das einzige Mittel“, dann begeben wir uns in die Gefahr, dass wir andere Lösungen nicht mehr beachten, dass wir andere Wege nicht mehr sehen. Warum sollte dies schlecht sein? Grenzen aufrichten, verhindert Freiheit. Freiheit verhindern, bedeutet gefangen sein. Gefangen sein, bedeutet nicht lebendig sein. Nicht lebendig sein, ist tot sein. Das heißt, in dem Moment, wo wir vor lauter Angst vor dem Tod davonlaufen, sind wir „toter“ als wir denken, weil wir nicht mehr leben.

Daher bitte ich jeden einzelnen Menschen sich seines eigenen Verstandes zu bedienen, sich von vorgefertigten Meinungen zu distanzieren und wieder selbst-tätig zu denken. Schaut wirklich genau hin. Dann geht los und tut. Ich schreibe diese Zeilen, weil ich stehe für Freiheit. Und mit Shunryu Suzuki sage ich: Ja, wenn ich sterbe, ist das auch OK. Ja, wenn ich lebe, ist das auch OK.

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